Information zu Klostergärten und dem Capitulare de Villis

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Information zu Klostergärten und dem Capitulare de Villis

Klostergärten

Die Tradition der christlichen Mönchsklöster begann um 480 n. Chr., als Benedikt von Nursia den Benediktinerorden in Italien gründete, den ältesten christlichen Mönchsorden. In seiner Regula Benedicti, zu Deutsch Benediktinerregel, legte er fest, dass der Mönch ein gottgefälliges Leben führe, wenn er arbeite, aber auch lese. In der Benediktinerregel stand, dass jeder Mönch mindestens ein Buch im Jahr lesen sollte, was bedeutete, dass viele Bücher geschrieben und vervielfältigt werden mussten. Somit wurden Klöster schnell zu Zentren der Literatur, Bildung und Kultur.

Da die Regel auch beinhaltete, dass sich alles Lebensnotwendige innerhalb der Klostermauern befinden sollte, fand man auf dem Klostergelände neben Viehställen, Back- und Brauhäusern auch vier verschiedene Gärten.

Auf dem Klosterfriedhof standen die benötigten Obstbäume. Dieser Garten diente gleichzeitig als ein Symbol für die Verbundenheit mit Gott. Im Küchengarten wuchsen Gemüse und Würzpflanzen, er war also für die grundlegende Versorgung notwendig.  Im Heilpflanzen- oder Wurzgarten fand der Infirmarius (der Mönch, welcher für die Versorgung der Kranken zuständig war) nicht nur Pflanzen, die der Heilung dienten, sondern konnten die Mönche auch Arbeit mit Andacht bei der Pflege der Pflanzen verbinden. Der Garten im Kreuzgang, diente der Unterstützung der Zwiesprache mit Gott.

 

Übersicht über all diese Gärten hatte der Hortulanus. Er wusste genau, welche Ansprüche die jeweiligen Pflanzen haben, wann geerntet werden konnte und wie an den besten Sämereien für das nächste Jahr gewonnen wurden. Auf diese Weise schafften es die Mönche, die Pflanzenzucht und Gartenkultur zu entwickeln. Sie kultivierten verschiedene Pflanzen, brachten römische, eigentlich in der Wärme beheimatete Pflanzen wie z.B. den Gartensalbei in unsere Breitengrade und sorgten so für eine größere Vielfalt an Pflanzen.

Die die Benediktinerregel beinhaltet ebenfalls Grundlage der Klostermedizin. Denn die 36. Regel besagte: „Die Sorge für die Kranken steht vor und über allen anderen Pflichten.“ (Steidele, S. 72) Die Mönche übernahmen das Wissen der antiken Medizin und entwickelten sie mit den heimischen Heilkräutern weiter, es war der Beginn der noch heute bekannten Klostermedizin. Das Lorscher Arzneibuch aus dem 8. Jahrhundert ist eines der ersten Zeugnisse dieser medizinischen Tradition.

Das Capitulare de villis et curtis imperialibus – die Verordnung über die Krongüter und Reichshöfe

Als Karl der Große 742 geboren wird, waren die fränkischen Herrscher Wanderkönige, was bedeutete, dass sie von Pfalz zu Pfalz durch das gesamte Land zogen. Damit war es notwendig, dass jede dieser Pfalzen jederzeit darauf vorbereitet sein musste, eine große Anzahl an Gästen aufzunehmen, denn ein Königstross konnte bis zu 1000 Menschen beherbergen. Während seiner Regierungszeit weitete Karl sein Reich immer mehr aus, so dass er wahrscheinlich in seinem gesamten Leben eine Strecke von ungefähr dreimal um die Welt zurückgelegt hat. Um eine solche Entfernung zu bewältigen wurde eine exzellente Versorgung benötigt. Die Pfalzen, aber auch die Klöster waren hierbei die ausschlaggebenden Versorgungspunkte.

Eine Hungersnot 792/93 in Aquitanien gab wahrscheinlich den Anlass für das Capitulare de Villis et curtis imperialibus, einem Erlass von Karl dem Großen, welcher die Versorgung der Klöster und Pfalzen sicherte. Er bildete die Grundlage für die wirtschaftliche und soziale Ordnung des mitteleuropäischen Mittelalters. Karl dem Großen war nicht nur an der Versorgung seiner Güter gelegen, sondern auch an Wohlfahrt und Gerechtigkeit für sein Volk. So schreibt er unter anderem: „Unsere Hofleute sollen wohl versorgt und von Niemand in Schuldknechtschaft gebracht werden.“  (S.43, Wies)

Karl macht in seinem Capitulare Vorschriften, wie seine Krongüter bewirtschaftet werden sollen und gibt detaillierte Anweisungen zur Dreifelderwirtschaft, Weinbau, Obstpflege, Pferde- und Viehzucht, Bienen- sowie Fischzucht und Forstwirtschaft. Er macht sogar grundlegende Hygienevorschriften, z.B. beim Weinkeltern: „Die Amtmänner haben darauf zu achten, dass sich niemand untersteht, unsere Trauben mit den Füßen zu keltern, sondern dass alles sauber und reinlich zugeht.“ (S.71, Wies)

Erstaunlich ist, dass er im 70. und letzten Kapitel seines umfassenden Capitulares eine sorgsame Aufstellung von insgesamt 72 Duftpflanzen, Heil- und Würzkräutern, Gemüse sowie Obst- und Vorratsbäumen macht. Diese Aufstellung ist eines der ältesten Dokumente des Mittelalters von Heil- und Gewürzpflanzen und ein Zeugnis davon, mit welcher Umsichtigkeit der große Kaiser diesen Erlass verfasst hat. Dieser Erlass bildete fortan die Grundlage für die europäischen Klostergärten, weshalb wir uns bei dem Aufbau unseres Klostergartens am Capitulare de villis orientieren.

Quellen:

  • Finke, A. (2000): Heilung aus dem Klostergarten. Das Kräuterwissen der Nonnen und Mönche. München: Wilhelm Goldmann Verlag
  • Mayer, J.G. (2008): Das geheime Heilwissen der Klosterfrauen. Reinbeck bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag
  • Mayer, J.G.; Uehleke, B.; Saum, K. (2013): Das große Buch der Klosterheilkunde. Neues Wissen über die Wirkung von Heilpflanzen. Vorbeugen, behandeln und heilen. München: Verlag Zabert und Sandmann
  • Meurers-Balke, J.; Strank, K.J. (2008): „… dass man im Garten alle Kräuter habe…“ Obst, Gemüse und Kräuter Karls des Großen. Mainz: Verlag Philipp von Zabern
  • Meurers-Balke, J.; Strank, K.J. (2008): „Die Pflanzen des Capitulare de Villis“ http://www.biozac.de/biozac/capvil/Pflanzen.htm (letzte Einsichtnahme: 01.09.2015 14:18)
  • Mielke, T.R.P. (1992): Mein Kräuterbüchlein. Karl der Große. München: Schneekluth
  • Mielke, T.R.P. (1996): Karl der Große. Der Roman seines Lebens.Reinbeck bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag
  • Steidle, P.B. (Hrsg.) (1988): Die Regel des heiligen Benedikt. Beuron: Beuroner Kunstverlag
  • Wies, E.W. (1992): „CAPITULARE DE VILLIS ET CURTIS IMPERIALIBUS“: (Verordnung über die Krongüter und Reichshöfe) und die Geheimnisse des Kräutergartens Karls des Großen. Aachen: einhard