Das Peterskloster 

Die Peterskirche in der Merseburger Altenburg wird zum ersten MaI in einer Urkunde aus dem Jahre 1012 erwähnt. Sie war dem Chronisten Brotuff zufolge mit einem Chorherrenstift verbunden, das Kaiser Otto I. bei der Gründung des Bistums von der Johanneskirche als dem neuen Dom hierher umgesiedelt haben soll.

Die Fundamente dieser Kirche sind in den 20er Jahren teilweise ergraben worden: eine dreischiffige Basilika mit östlichem Querhaus und einer Klausuranlage auf ihrer Südseite. Die Bauzeit ist unbekannt. Nach dem Grabungsplan hatte sie vermutlich einen wesentlich kleineren – einschiffigen Vorgängerbau.

Das Stift verfiel, so daß Bischof Werner (1059-1093) an der Peterskirche nunmehr einen Benediktinerkonvent ansiedelte und dafür eine neue Klosterkirche errichten ließ. Sie wurde im Jahre 1091 vom Magdeburger Erzbischof feierlich geweiht. Auch sie ist nicht erhalten.

Alten Chronisten zufolge stand sie in Pracht und Größe dem Dom in nichts nach. Die nebenstehende Abbildung zeigt ihren Grundriss: eine stattliche dreischiffige Basilika mit vier Türmen, mit einer Krypta unter dem Chor und Nebenapsiden an der Ostseite des Querhauses, das dem Bau östlich angegliedert war.

Nach der Auflösung des Klosters im Jahre 1562 wurde die Kirche aufgegeben und in der Folgezeit als Steinbruch benutzt, nachdem 1543 der Plan, am Peterskloster neben Meißen und Pforte (Schulpforta) eine weitere Landesschule einzurichten, noch am Einspruch von Bischof und Domkapitel gescheitert war.

Leider waren die Kirchenfundamente, die man bis 1930 mit viel Mühe freigelegt und als Freilichtmuseum eingerichtet hatte, in den Folgejahren wieder von dichtem Pflanzenwuchs überzogen und dem Verfall Preis gegeben soweit sie nicht unter dem MüIl der Anwohner verschwunden sind. Durch den intensiven Einsatz der Mitglieder des Förderkreises Klosterbauhütte sind diese seit dem 15. Mai 2022 zum einhundertjährigen Jubiläum der Anerkennung des Heimatmuseums mit Freilichtmuseum und Klostergarten im Petrikloster durch Erlass des Preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung wieder freigelegt und zugänglich gemacht. Weitere Instandsetzungsmaßnahmen erfolgen in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutzbehörden. Erhalten ist die Südwestecke der Klausur mit den beiden Refektorien.

Der frühgotische Sommerrempter im Südflügel, erbaut um 1240/50 unter Abt Bernward (1238(?)-1263), ist ein hoher, schöner Raum mit einem steilen dreijochigen Kreuzgratgewölbe und drei jeweils außen durch Blendnischen zusammengefassten Fensterpaaren auf seiner Südseite. Kleine hochgelegene Rundbogenfenster in seiner Nordwand beweisen, daß hier die romanische Klausurwand beibehalten worden ist. Nach den Konsol- und Schildbogenresten an dieser Wand zu, urteilen, ist auch der Kreuzgang um die Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet worden.

Im Westflügel schließt sich der nur etwa halb so hohe spätgotische Winterrempter aus der Zeit des Abtes Heinrich Rymann (1515-1539), beigesetzt.an.

Die vier Schlusssteine des Tonnengewölbes, das durch Stichkappen in vier Joche untergliedert ist, deuten auf ein Rippengewölbe hin, das aber vielleicht nur geplant, jedoch nicht ausgeführt war. Neben dem Winterrempter liegt noch ein schmaler kapellenartiger Raum von anderthalb Joch, dessen Kreuzgratgewölbe auf archaisierend romanischen Kapitellen aufsetzt.

Sein verwittertes kielbogiges Portal zum Kreuzgang hin lässt die alte lateinische Inschrift nur noch erahnen. AIs Portalpfosten hat man Grabsteinfragmente aus dem 13. Jahrhundert verwendet. Bemerkenswert sind die unter diesen Räumen gelegenen Keller: unter dem Sommerrempter in voller Ausdehnung eine große, durch moderne Zwischenwände unterteilte romanische Rundtonne, unter dem Westflügel ein zweischiffiger Raum mit Kreuzgratgewölben.

Nach der Form der drei quadratischen Mittelpfeiler, in deren Kanten Hohlkehlen mit Eckknollen eingearbeitet sind, ist er nicht lange vor dem Sommerrempter entstanden. Er hatte ursprünglich einen Ausgang nach Süden zum damals wesentlich tiefer liegenden Klosterhof hin. Die erhaltenen Baulichkeiten wurden 1912 umfassend restauriert und dem Heimatmuseum zur Verfügung gestellt, das dort bis etwa 1960, sein Domizil hatte.

In Verlängerung des Klausursüdflügels nach Westen schlossen sich Wirtschaftsgebäude des Klosters an. In dem heutigen langgestreckten Gebäudetrakt bis hin zur vermauerten westlichen Klosterpforte steckt ebenfalls noch mittelalterliche Bausubstanz. Der weite Klosterhof südlich des Klosters ist erst in unserem Jahrhundert bebaut worden.

Westlich des Klosters, auf einer Achse mit der verschwundenen Klosterkirche gelegen und mit ihr dem Chronisten Vulpius zufolge einstmals durch einen Kreuzgang (wohl ein Atrium) verbunden, steht auf einer kleinen Anhöhe inmitten des Altenburger Friedhofs die alte Pfarrkirche St. Viti.

Quelle: Alte Merseburger Bauwerke außer Dom und Schloß, Peter Ramm